Deutsch-dänisches Duell. - Foto: kolektiff images
Deutsch-dänisches Duell. - Foto: kolektiff images

Das wahre Gigantenduell hat eine lange Tradition

13.05.2026 | Männer

 

Wenn Deutschland im Männerhandball auf Dänemark trifft, geht es spätestens seit 2002 immer um sehr viel

113-Mal standen sich die Männer-Nationalmannschaften von Dänemark und Deutschland bislang gegenüber, in der kommenden Woche kommen die Duelle 114 in Kopenhagen und 115 in Köln hinzu. Mit dem Rückspiel in der Kathedrale des Handballs am Sonntag, 17. März (15.30 Uhr) zieht das ewige Duell der beiden Nachbarn und Handball-Großmächte gleich mit dem Spitzenreiter, was die Zahl von Länderspielen betrifft – denn auf Schweden traf die DHB-Auswahl schon 115-Mal. Die Partien nächste Woche sind die Freundschaftsspiele 83 und 84. „Mehr geht nicht, um für die WM 2027 zu testen“, da sind sich die beiden Trainer Alfred Gislason und Nicolaj Jakobsen einig. 

Beim Blick in die lange Geschichte der deutsch-dänischen Länderspiele gibt es vor allem seit der Jahrtausendwende zahllose historische Duelle. Der Blick geht allerdings ganz zurück – auf das Länderspiel 1 einer deutschen Mannschaft im Hallenhandball. In der Berliner Deutschlandhalle eröffnete die Partie Deutschland gegen Dänemark die kürzeste Weltmeisterschaft aller Zeiten: Eröffnungsspiel am 5. Februar, WM-Abschluss einen Tag später. Vier Mannschaften waren am Start, jeder spielte gegen jeden, Spieldauer 2x15 Minuten. Und mit dem 11:3-Sieg über Dänemark und der Tatsache, dass die deutsche Mannschaft nach der 4:3-Pausenführung nach dem Seitenwechsel keinen Gegentreffer mehr kassierte, war der optimale Start in die Heim-WM geglückt. Nach weiteren Erfolgen gegen Österreich und Schweden war die von Otto Kaundynia trainierte Reichsauswahl der erste Hallenhandball-Weltmeister der Geschichte. Es passt irgendwie in diese deutsch-dänische Geschichte, dass der zweite WM-Titel 1978 durch den Finalsieg gegen die Sowjetunion in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen gefeiert wurde. Titel drei für den DHB folgte 2007 in Köln, jener Halle, wo am 17. März das Gigantenduell über die Bühne geht. 

In der vierten Partie nach dem Zweiten Weltkrieg (und zuvor drei Duellen gegen Schweden) hieß der Gegner wieder Dänemark, in Kiel feierte die DHB-Auswahl einen 12:10-Sieg. Bei der WM 1958 ging es wieder um Medaillen zwischen den beiden Teams. Im Spiel um Platz drei setzte sich die deutsche Mannschaft (mit Spielern aus Ost und West, trainiert von Werner Vick/DHB und Heinz Seiler/DHV) mit 16:13 durch und gewann Bronze. Zum deutschen Team gehörten damals unter anderem die DDR-Legenden Paul Tiedemann und Peter Kretzschmar (Vater von Stefan) sowie Hinrich Schwenker, Vater des heutigen HBL-Präsidenten Uwe Schwenker. 

1976 trafen Deutschland und Dänemark dann erstmals bei Olympischen Spielen aufeinander, die DHB-Auswahl gewann in der Vorrunde 18:14. Deutschland wurde Vierter, Dänemark Achter. Bis zum Olympiafinale von Lille 2024, das Dänemark mit dem Rekordergebnis von 39:26 gewann, gab es nur noch zwei weitere Duelle unter den fünf Ringen: auf dem Weg zu Silber 1984 in Los Angeles setzte sich die DHB-Auswahl mit 20:18 durch, in der Vorrunde von Peking verlor die als amtierender Weltmeister gestartete DHB-Auswahl gegen den frisch gebackenen Europameister mit 21:27 – und schied nach der Vorrunde aus. 

Der Tiefpunkt der Duelle war indes 1987 und 1989 erreicht, als beide Teams bei B-Weltmeisterschaften die Klingen kreuzten. Zunächst gewann Deutschland 23:17 in Brixen, verlor dann zwei Jahre später in Paris mit 24:30 und stieg in die C-Weltmeisterschaft ab. Vereint bei der A-WM waren beide Teams dann wieder ab 1993, wobei Deutschland und Dänemark sich für die WM 1997 nicht qualifizierten.  

Zehn deutsch-dänische Duelle gab es bislang bei Europameisterschaften – und bereits das zweite und dritte Spiel hatten wegweisenden Charakter: Am 2. Februar 2002 qualifizierte sich die DHB-Auswahl durch einen 28:23-Erfolg über die Dänen in Stockholm erstmals in der Geschichte für ein EM-Finale, das man einen Tag später allerdings nach Verlängerung gegen Gastgeber Schweden verlor. Zwei Jahre später, am 31. Januar 2004, trafen Deutsche und Dänen in einer intensiven und hitzigen Partie erneut im EM-Halbfinale aufeinander. Deutschland gewann 22:20, spielte einen Tag später wieder gegen den Gastgeber um EM-Gold – feierte dieses Mal aber den Triumpf über Slowenien und unter Heiner Brand, der an diesem Abend seinen Schnauzer verlor, den ersten EM-Titel. 2008 kam es zur gleichen Konstellation – wieder Deutschland und Dänemark im EM-Halbfinale, dieses Mal im norwegischen Lillehammer. Entschieden wurde das Spiel durch einen Siebenmetertreffer des Flensburgers Lars Christiansen mit dem Schlusspfiff zum 26:25. Dänemark stand erstmals in einem EM-Finale schlug Kroatien und gewann die erste Goldmedaille bei einem großen Turnier. „Dieser Siebenmeter von Lars Christiansen war der Auslöser für alles, was danach kam – vier WM-Titel, zwei Olympiasiege und drei EM-Titel. Mit diesem Wurf fing alles an“, heißt es in einer EHF-Dokumentation über die goldenen dänischen Generationen, die vor der EM 2026 ausgestrahlt wurde. 

Aber auch beim zweiten – und bislang letzten – deutschen EM-Titel spielte die Partie gegen Dänemark eine entscheidende Rolle. Es war das letzte Hauptrundenspiel in Breslau, Deutschland muss gewinnen, um ins Halbfinale einzuziehen, den Dänen reicht ein Remis – und die Partie wurde zur Sternstunde von Andy Wolff, vor allem nach der Pause. Deutschland blieb in den letzten drei Minuten ohne Gegentreffer, gewann 25:23, zog ins Halbfinale ein, schlug Norwegen, wurde schließlich durch den Finalerfolg über Spanien Europameister 2016 – und ging als Dagur Sigurdssons „Bab Boys“ in die Geschichte ein. 

Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: diese Partie am 27. Januar 2016 ist bis heute der letzte deutsche Pflichtspielsieg gegen die Dänen. Zwei Monate später, am 2. April 2016, folgte in der LANXESS arena mit dem 33:26 in einem Freundschaftsspiel der letzte Erfolg – vielleicht ein gutes Omen für das Rückspiel der aktuellen Doppeltests am 17. Mai. 

Es folgten acht Niederlagen – die Dänen wurden in der Zwischenzeit viermal in Folge Weltmeister (2019, 2021, 2023, 2025), zweimal Olympiasieger (2016, 2024), einmal Olympiazweiter (2021), einmal Europameister (2026) und einmal EM-Zweiter (2024). Im EM-Halbfinale von Köln am 26. Januar feierten Mathias Gidsel & Co. einen hart umkämpften 29:26-Erfolg gegen die Gastgeber, verloren dann aber das Finale gegen Frankreich nach Verlängerung. Es folgte besagtes Olympiafinale von Lille am 11. August 2024. Bei der WM 2025 erlebte das Team von Alfred Gislason in der Hauptrunde mit dem 30:40 in Herning ein ähnliches Debakel, kassierte erstmals in der Länderspielgeschichte 40 Gegentreffer. Bei der EM in diesem Jahr hielt sich Deutschland zweimal wacker, verlor aber auch das Hauptrundenspiel (26:31) als auch das Finale (27:34). Und nun geht der Blick auf den 31. Januar 2027 – dann wird in Köln das WM-Finale angeworfen. Der Traum von Johannes Golla & Co. wäre ein erneutes Finale gegen Dänemark und dann der Titel, wie damals 2007, als die Dänen das Halbfinale gegen Polen verloren und somit ein Finale gegen die Gastgeber verpassten. 

(BP)